Tag der Erde: Die Umwelt in Zeiten von Corona und danach

Trends / Nachhaltigkeit
Malte Mueller
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Rebecca Swift
Apr. 21, 2020
Bis vor einem Monat noch haben wir ein zunehmendes Interesse an und eine vermehrte Nutzung von Bildmaterial zu Umweltthemen verzeichnet. Nachhaltigkeit ist zu einem Trend in allen Branchen geworden, mit denen wir zusammenarbeiten. Eine im Februar durchgeführte Befragung von Getty Images‘ Visuellem GPS ergab, dass 92 % der Konsumenten in 26 Ländern besorgt darüber sind, wie wir mit unserem Planeten umgehen; 85 % sorgten sich um die Luftverschmutzung.

Während verheerende Großflächenbrände, Überschwemmungen und die Erderwärmung das Narrativ des Klimawandels prägen, konzentriert sich die Darstellung von Umweltthemen auf Unternehmensseite auf unseren alltäglichen Lebensstil und Businessbilder mit wiederverwendbaren Kaffeebechern, Wasserflaschen und Einkaufstaschen. Dabei wurden Umweltschutz und persönlich relevante, mit Komfort verbundene Themen in einen visuellen Zusammenhang gebracht.

Die Umweltkrise, die 2006 mit Al Gores Dokumentarfilm Eine unbequeme Wahrheit in aller Munde war, und die bis heute andauernde Ikonografie des Eisbären auf einer schmelzenden Eisplatte verschwanden 2008 mit der Finanzkrise und der darauf folgenden Rezession von der Bildfläche. Ähnliche Bildtrends kamen erst in den letzten 18 Monaten wieder auf. Das wirft natürlich die Frage auf, was während der Coronakrise mit den drängenden Umweltfragen geschehen wird?
Während sich die Mehrheit von uns bisher auf das neue Normal konzentriert und finanzielle Sorgen in den Mittelpunkt gestellt hat, finden Stadtbewohner gerade heraus, dass die Umwelt eine viel größere Rolle in unserem Leben spielt als bisher.

In sehr kurzer Zeit haben wir ein viel umfassenderes Verständnis für unseren Einfluss auf die Erde gewonnen. Die Kanäle von Venedig haben wieder klares Wasser und man sieht, wie die Fische zurückkehren; die Stickoxidwerte in China sind im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel gesunken; die Tierwelt erobert bebaute Räume für sich und innerhalb von einer Woche haben sich die Kohlenmonoxidwerte in New York City halbiert. Das findet nun auch in Bildern seinen Ausdruck und wird uns vermutlich dazu bringen, nach Ende der Reisebeschränkungen die Kosten langer Arbeitswege und Geschäftsreisen und unsere Haltung dazu zu überdenken. Den Lebensschwerpunkt in unser Zuhause zu verlegen ist eine persönliche und umweltfreundliche Alternative.
Entgegen dem aktuellen Suchverhalten sind die Begriffe Nachhaltigkeit (Zuwachs um 142 % seit letztem Jahr) und nachhaltiges Leben (+ 201 %) bei Getty Images stark im Kommen. Während wir in Zeiten wirtschaftlichen Wachstums normalerweise ein gesteigertes Interesse an Umweltthemen und in schwächeren Konjunkturphasen eher weniger Nachfrage verzeichnen, wurde dieser Bereich während der Coronakrise untrennbar mit dem Begriff Wohlbefinden verknüpft. Regierungen auf der ganzen Welt haben einen Zusammenhang hergestellt zwischen der Zeit, die wir im Freien verbringen, und wie wir auf uns und unsere Familien aufpassen. Unsere tägliche Bewegung dreht sich gerade um das Laufen/Gehen oder Fahrradfahren von Zuhause aus. Verständlicherweise ist die Darstellung von Einzelpersonen/Paaren/Familien draußen, die aber keinen Kontakt miteinander haben, von zentraler Bedeutung, um die aktuellen Gegebenheiten der Konsumenten anzusprechen. Dementsprechend konnten wir bei Suchanfragen nach Menschen in der Natur und Menschen und Umwelt einen massiven Anstieg um 766 % verzeichnen. Wir gehen davon aus, dass die Sehnsucht rund um die Natur mit einer Verherrlichung des Freien zunehmen wird. Gleichzeitig bedienen die Darstellung, sich frei in Landschaften zu bewegen, und Bilder von leeren Plätzen unser Wunschdenken. Interessanterweise haben sich Reiseveranstalter, die von der Coronakrise hart getroffen wurden, bereits umgestellt und zeigen verführerische Landschaften mit viel weniger Menschen als zuvor.

Während wir gerade unseren neuen Lebensmittelpunkt – unser Zuhause –, neue Arbeitsumgebungen und die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens dokumentieren, werden die Bilder in Zukunft immer weniger Situationen thematisieren, die uns ausbremsen. Sie werden vielmehr zeigen, worüber wir uns freuen. Aktuell sind Aufenthalte im Freien aufgrund von Ausgangsbeschränkungen stark eingeschränkt, aber auch das wird sich wieder ändern und wir werden auch weiterhin große Freude daran finden, uns in der Natur aufzuhalten und Inspiration und Erholung im Freien zu finden (und das gratis)!
Visuelles GPS: Nachhaltigkeit